Blogstöckchen von Ludwig R.

Ein Blogstöckchen warf man mir zu. Blogstöckchen sind so eine Art Kettenbrief, aber natürlich viel cooler. Sonst würde ich da ja nicht mitmachen. Die Süddeutsche hat mal eins zum Bundestagswahlkampf 2013 geworfen und unter anderem die Tagesschau hat es dann aufgegriffen. Cool, oder?

Jedenfalls fange ich nun endlich das Blogstöckchen auf, das Ludwig mir zuwarf. Ich beantworte hier zumindest mal die erste Frage, die Ludwig für sich bereits beantwortet und neben anderen auch mir gestellt hat. Bissle poesiealbummäßig, aber passt scho!

Was muss ich tun, um Dich so richtig auf die Palme zu bringen?

Eigentlich bringt mich nichts so schnell richtig auf die Palme. Ist jedenfalls mein erster Gedanke. Ich erinnere mich nämlich sehr gut an einen stressigen und verantwortungsvollen Job. Damals hatte ich für eine riesige mehrtägige Veranstaltung ehrenamtliche Unterstützung von Freundinnen und Freunden, die nach wenigen Tagen eine „Intervention“ anzettelten. Ja, dieses amerikanische Krisen-Tool, mit dem man einen Menschen aus dem Umfeld (Freund, Kollege etc.) darauf stößt, dass da doch was in seinem Leben falsch laufe. Dass man sich Sorgen mache. Denn der andere sei ja immer so aggressiv. Oder besonders oft betrunken. Oder trage dauernd diesen komischen Hut.

Meinen Freunden war aufgefallen, dass ich immerzu und andauernd so prächtig gelaunt war. Und tatsächlich: Mein Job machte mir trotz der immensen Belastung einfach wahnsinnig viel Spaß, ich hatte echt ständig gute Laune und nahm mir auch für die blödsinnigste Frage einen kurzen Moment Zeit, um sie ernsthaft zu beantworten. Mich hat da nichts aufgeregt, nichts auf die Palme gebracht.

Und auch sonst bleibe ich ziemlich ruhig und gelassen, wenn’s stressig wird. Ich bin gerne diejenige, die im größten Tohuwabohu erst mal einen Cappuccino für alle macht – „mit extra Zucker?“ – und dabei in Ruhe nachdenkt. Überstürztes Handeln ist nicht mein Ding, das können andere besser, ich denke gerne noch mal in Ruhe nach und versuche dabei, es für die anderen sogar noch etwas angenehmer zu machen – „noch jemand einen Cappuccino?“. Das sage ich sogar zum pöbelnden arroganten Fatzke, der mit idiotischen Ansprüchen mein Leben noch anstrengender macht. Aber mit Zurückpöbeln komme ich nicht weiter, bin ich überzeugt.

Das hat mir den etwas zweifelhaften Ruf eingebracht, ich sei zu jedem beliebig und nett und möge doch irgendwie alle. Eine etwas schonungslosere Interpretation ist auch, dass mir alles etwas wurscht sei, ich keine eigene Position habe. In der Tat: Ich setze meine Positionen selten im heißen Gefecht durch, wenn alle in schrillem Gezicke und tosendem Testosteron unterzugehen drohen. Ich bringe meine Kritik oder Überzeugung gerne an, wenn alle wieder etwas ruhiger denken können. Das kann man doof finden, aber ich mache das halt so.

Das soll jetzt aber nicht heißen, dass ich nicht gerne auch mal schreie und tobe. Vor allem Menschen, die ich seeeehr gerne mag und deren Zuneigung ich mir sicher weiß (Mama, Papa, Brüder, Freund, Lieblingskollege etc. pp.), kann ich – durchaus auch mal etwas übertrieben – zur Schnecke machen, wenn ich finde, dass sie unfair zu mir sind. Oder zu anderen.

Oh, wait…

Hm, und dann fällt mir doch noch was ein, was mich richtig auf die Palme bringt: Richtig angekotzt und von Null auf 180 bin ich bei einer ganz bestimmten Sorte Mensch – Engstellensteher. Personen, die zum Beispiel am Ende einer Rolltreppe stehen bleiben und erst mal gemütlich nach ihrer Sonnenbrille suchen. Da muss ich mich körperlich und emotional zwingen, die nicht mit einem lauten „Sie idiotischster Idiot von allen!“ zur Seite zu boxen, ich will doch jetzt da vorbei. Stattdessen zische ich noch nicht mal das böseste und verächtlichste „Verzeihung…!“, setze höchstens meinen vorwurfsvollsten Blick auf. Aber ich könnte eeeeeewig darüber ranten. Wieso fällt Menschen nicht auf, dass es geeignetere und ungeeignetere Orte gibt, um unvermittelt stehen zu bleiben? Lieber Ludwig, wenn du mich also auf die Palme bringen willst, steh mir im Weg rum. Die Frage bleibt aber: Biete ich dir dafür einen Cappuccino an oder schreie ich dich in Grund und Boden?

Waving the Linguistenfahne

Auch immer einen Rant wert: Wenn Leute meine ausgewiesenen Spezialgebiete nicht respektieren. Wenn sie nämlich von afrikanischen Sprachen reden, als hätten sie sich auch nur jeeeemals damit annähernd befasst. Und die mir dann etwas über Swahili-Grammatik erzählen wollen. Oder mir die Genese dieser ostafrikanischen Sprache erklären, denn Swahili sei ja eine Kunstsprache, „so wie Esperanto zum Beispiel, verstehst du, Anja!?“ Aaaaaaah! (Jetzt schwinge ich schon ganz aufgeregt meinen vorgereckten Zeigefinger durch die Luft) Ich habe am Institut für Afrikanistik und an der Bayreuth International Graduate School in Bayreuth studiert, besitze einen exzellenten Abschluss in Afrikanistik und bin ausgewiesene Swahilistin, die auch noch Arabisch studiert hat – die beiden Sprachen stehen nämlich in einem sehr engen Verhältnis. Und ja, ich habe sogar eine großartige Doktorarbeit über Swahili angefangen und spreche die Sprache fließend. ICH KOTZE, WENN LEUTE MIR SO EINEN KÄSE ERZÄHLEN! Und by the way: Africa is not a fucking country!

tl;dr
Eigentlich bin ich ganz schön gelassen.
Aber steh mir bloß nicht im Weg rum.
Und erzähl mir keinen Quatsch über Swahili. Pfff! 

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