Zwetschgeblootz redefined

Zwetschgeblootz. So heißt bei uns in Franken das, was in Bayern der Zwetschgendaatschi ist. Das ist ein Hefeteigboden mit entsteinten Zwetschgen darauf und Streuseln. Vom Blech, damit es für alle reicht. Meistens war mir schon schlecht, bevor meine Mama das Blech in den Ofen schob. Immerhin hatte ich bereits beim Pflücken geradewegs vom Baum herunter reife, vor Saft triefende Zwetschgen genascht (“Ich glaube, da war ein Wurm drin, Papa!” – “Das macht auch satt.”) – und beim Entsteinen dann auch noch das ein oder andere Früchtchen verschlungen (“Die guten ins Kröpfchen … oder wie war das, Mama?”).

Für Kinder (na, zumindest für mich!) das Größte: Nur die Streusel essen, höchstens noch das Obst. Aber ich bin ein Kind der Achtziger, in meiner Familie wurde da noch gegessen, was auf den Tisch kam. Und zwar alles, schließlich: “Die armen Kinder in Afrika!” Deshalb: Heimlich in die Küche pirschen. Das Küchentuch anheben (ja, da war immer ein Küchentuch über den Blootz gebreitet, gegen die Fliegen). Nach ein paar Streuseln tasten. Die süße Freude – Mehl, viel Butter und Zucker, Zimt – genüsslich und mit klebrigen Fingern in den Mund schieben. Und blitzartig aufhören zu kauen, wenn jemand in die Küche kommt.

“Was machst du da?”
“Nüx. Üch guck’ nur nach, ob noch Plootz für spöta da ist.”
“Und ich dachte schon, du hast Streusel vom Kuchen stibitzt und dir heimlich in den Mund gestopft.”
“Mm-mm.” Das schlechte Gewissen muss mir ins Gesicht geschrieben gewesen sein. Aber meine Mama wäre nicht meine Mama, wenn sie dem heftigen Kopfschütteln nicht manchmal, naja, sagen wir mal: geglaubt hätte.

Und was ist heute? In den 2000ern brach “crumble” über uns herein. Lange Zeit hatte ich ja gar keine Ahnung, was das ist. Wikipedia sagt über Crumble, das sei “eine beliebte Gattung von Nachspeisen aus der englischen Küche. Dabei handelt es sich um mit Streuseln überbackene Früchte”. Übersetzt hieß das für mich immer: Die können halt einen Teigboden nicht backen, die Engländer, also lassen sie’s gleich bleiben. Heute weiß ich: Die haben meinen Kindheitstraum erfüllt! In der Tat ist es sogar eine Mischung aus beidem: Während meine Mama eine herausragende Bäckerin ist und den denkbar fluffigsten Hefeteigboden für einen Blootz backen kann, ist dieses Glück nicht jedem vergönnt. Bei den meisten ist das eine ziemlich staubtrockene Angelegenheit. Also warum nicht weglassen und nur das Beste nehmen: die süßen Zwetschgen und Streusel obendrauf? Nie mehr heimlich in die Küche pirschen (oh ja, ich habe das erst kürzlich wieder getan), sondern ungeniert zuschlagen und offen und transparent vom Teller essen.

Schon halb aufgegessen, schmeckt aber kalt immer noch sehr gut: mein Zwetschgencrumble. Wichtig: Küchentuch drüber, wegen der Fliegen. (Foto: polypepper)

Und so habe ich mein Zwetschgencrumble gemacht:

  • reife, süße Zwetschgen
    Damit es richtig BoBo-Bio wird, nimmt man natürlich am besten die selbst gepflückten Zwetschgen aus dem elterlichen Garten – “damit es genau wie damals schmeckt!” Oder man kauft halt welche im Laden um die Ecke. Ach, nee, Moment: Lässt man die sich nicht heute mit der Biokiste direkt nach Hause liefern?
  • Hafer-Crunch (Das von Alnatura ist WIRKLICH das beste!)
  • 150 Gramm Mehl, 150 Gramm zerlassene Butter, 150 Gramm Zucker*, 1 Teelöffel Zimt

Die Zwetschgen entsteinen und flach in eine mit Butter gefettete Form legen, Hafer-Crunch nach Gusto darüberstreuen. Die übrigen Zutaten vermengen, abkühlen lassen und dann in Krümeln oder größeren Brocken über die Zwetschgen streuen. Bei 180 Grad im Backofen backen, bis die Streusel Farbe kriegen. Schmeckt gleichermaßen heiß und kalt – aber wenn die Zwetschgen heiß sind: Vorsicht, die sind dann wirklich, wirklich heiß! Dazu schmeckt natürlich geschlagene Sahne gut. Oder griechischer Joghurt.

* Von Südzucker gibt’s jetzt sogar Bio-Zucker und Fairtrade-Rohrzucker. Letzteren habe ich aber bislang im Laden nur in diesen schicken Zuckertütchen gesehen, die man im Café immer auf der Untertasse findet. Also voll zum BoBo-Bio-Öko-Fairtrade-Angeben.

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One thought on “Zwetschgeblootz redefined

  1. Klasse. Da ich keinen Backofen besitze (o schweres Schicksal!), werde ich das Rezept wohl nicht so schnell nachbacken, aber der Erlebnisbericht aus der Kindheit hat mich gerührt. Und zugleich erheitert. Danke!

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