4SQ – Bin da, wer noch?

“I’m at Wasserturm.” Dann eine Mannheimer Adresse und noch ein Link zu www.4sq.com. So liest sich einer meiner ersten Check-ins bei Foursquare. Four… was? Foursquare. Wikipedia sagt, das sei “ein standortbezogenes soziales Netzwerk”, man loggt sich da über die App auf dem Smartphone ein und teilt so der Welt mit, wo man gerade ist.

An dieser Berliner U-Bahnstation checkte ich nie per 4SQ ein - aber IRL, in real life. (Foto: polypepper)

Warum tut man sowas? Um das herauszufinden, spiele ich dieses Spiel “Ich bin da, wer noch?” eine Weile mit. Wer meine Nachrichten bei Twitter (man kann ja crossposten) aufmerksam verfolgt oder direkt bei 4SQ mit mir befreundet ist, weiß immer ganz genau, wo ich bin und darf daraus schließen, was ich tue: Reisen, Museumbesuchen, Kaffeetrinken, Zeitunglesen. Ein BoBo-Leben gaukle ich vor: bohémienne, bourgeoise.

Hinz und Kunz, Kreti und Pleti: Alle, die es wissen wollen, können sehen, wie ich mich wann durch die Republik bewege. Puuuh, das erinnert mich ganz schön unangenehm an mein unterfränkisches Heimatdorf.

Apropos “wissen wollen”: Nicht jeder und jede will es tatsächlich wissen. “Deine ständige Eincheckerei nervt.”, schreibt mir einer meiner Twitter-Follower. Ich kann ihm nicht widersprechen: Interessiert mich doch auch nicht, wann jemand das KAH in Berlin betritt, ins Mitscherlich-Haus ins Frankfurt heimkehrt oder in einer Osteria in München Riesenpizza isst.

Warum also soll ich dabei bleiben? Da sind zum einen die Punkte, die man mit jedem Check-in sammelt. Ich werde belohnt fürs Bewegen: Es gibt Punkte für Erstemale, für ganz gewöhnliche Check-ins, für häufiges Auftauchen am gleichen Ort. Für letzteres wird man bei ganz besonders viel Eifer sogar mit dem Bürgermeistertum belohnt. Die Meldung dazu heißt “X just ousted Y as mayor at [hier beliebigen Ortsnamen eintragen]”. Naja, Ruhm und Ehre sehen anders aus.

Checkt man fleißig ein, steigt man bald in der Rangliste auf. 4SQ feuert mich an: “Mit diesem Check-in kommst du ganz nah an Steve ran!” Ja, genau: Er hat 47, ich nur 13 Punkte. Gaaaanz nah dran. Ich mag’s ja gerne mal gemütlich, will eigentlich gar nicht so viel unterwegs sein, um Art, Steve, Christian und Marco einzuholen. Jepp, noch so ‘n Ding: Keine Mädels. Weit und breit nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Übrigens: Die Sache mit den Tipps à la “Probier mal die Crème brûlée in [Name Gastronomiebetrieb]” finde ich langweilig. Da habe ich wirklich noch nie was Sinnvolles oder Wissenswertes gefunden. Wenn ich selbst googlen oder wikipedieren muss, warum diese Statue hier steht, wer sie zu welchem Anlass hierhin gestellt hat – warum dann 4SQ?

Achso, ja: Ich kann da sehen, wer noch hier ist. Hm. Interessiert mich nicht so brennend. Hab ja schon Real-Life-Freunde, mit denen ich da bin. Aber die sind keine “digital residents”. Oder ich bin alleine da. Dann will ich aber auch keine fremden Leute ansprechen: “Hey, hab gesehen, dass du bei Foursquare hier eingecheckt hast. Du bist doch Andi B.? Ja? Und, wie findest du die Pergamon-Ausstellung so?”

Die Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel, zu der ich mich mit echten Menschen am Telefon in Berlin verabredet hatte, war toll. Als ich einem meiner Freunde zwischen dem ständigen Daddeln erklärte, was es mit 4SQ auf sich hat, habe ich eine hochgezogene Augenbraue geerntet. V. hat dann seine Aufmerksamkeit wieder dem Dionysosfest im antiken Pergamon gewidmet. Er ist halt auch kein “digital resident”.

Übrigens sitze ich gerade in einem Café in der Nähe des Mannheimer Wasserturms. Wer noch? Lust auf ein Käffchen?

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